Freitag, 17. Mai 2013

Kunstvoller Weltuntergang – Albrecht Dürers „Apokalypse“


Albrecht Dürer: Die vier Reiter (um 1497/98); Holzschnitt
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In bis heute rätselhaften Bildern und Symbolen beschreibt das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung des Evangelisten Johannes, das Weltende. Die dort geschilderten Schreckensvisionen, die im Jüngsten Gericht und der Wiederkunft Christi münden, zogen schon im Mittelalter die Menschen in ihren Bann. Um 1500 waren viele Menschen angesichts der Jahrhundertwende überzeugt, das Ende der Zeit sei nahe, das große Zorngericht Gottes stehe kurz bevor. Durch Kriege und Naturgewalten verursachte Katastrophen, verheerende Epidemien wie die Pest, Hungersnöte und durch die anbrechende Neuzeit ausgelöste religiöse Zweifel bestimmten das Lebensgefühl. Große soziale Nöte und die insgesamt zugespitzten gesellschaftlichen Verhältnisse machten die Menschen hellhörig für wundersame Stimmen, ließen sie ahnungsvoll und gespannt auf Zeichen und Wunder achten. Astrologie war an der Tagesordnung, jedes von der Regel abweichende Naturereignis, alles Außergewöhnliche, Abnorme wurde sensibel registriert und verknüpfte sich mit dem angstvollen Blick in die Zukunft und der Furcht vor dem drohenden Weltuntergang. Himmelserscheinungen wie Kometen oder Meteoriten schienen Unheil anzukünden, Missgeburten wurden als Vorzeichen des Schreckens gedeutet, und auf verschiedenste Weise versuchte man, das Kommende vorherzusagen.
Albrecht Dürer: Michaels Kampf mit dem Drachen (um 1498); Holzschnitt
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In dieser aufgewühlten Zeit schuf Albrecht Dürer (1471–1528), der bedeutendste deutsche Renaissance-Künstler, seine Apocalipsis cum figuris, eine Holzschnittfolge zur Offenbarung des Johannes. Diese 15 Blätter gehören zu den herausragenden christlichen Kunstwerken, die am Beginn der Neuzeit entstanden sind, gleichzusetzen mit Leonardo da Vincis Abendmahl (1494-1497) und dem Jüngsten Gericht Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle (1536-1541). Der junge Dürer fertigte die Holzschnittserie von 1496 bis 1498 an. Da sich die Grafiken vervielfältigen ließen, kamen sie rasch in Umlauf und begründeten seinen Ruhm in ganz Mitteleuropa.
Dürer hatte wohl selbst mit dem großen Erfolg seines Druckprojektes gerechnet, brachte er doch eine lateinische und eine deutsche Ausgabe heraus, um einen möglichst breiten Käuferkreis anzusprechen. Die damalige Weltsprache Latein garantierte vor allem internationale Absetzbarkeit. Die Publikation erschien offenbar im Eigenverlag, denn in der deutschen Ausgabe wird allein Dürer als Drucker bzw. Herausgeber genannt. Damit ist die Apocalipsis cum figuris das früheste Buch, das ein Künstler ganz auf eigene Faust entwarf und veröffentlichte. Der lateinische Text folgt der Vulgata, der Bibelübersetzung des Hieronymus, während die deutsche Version mit der 1483 von Anton Koberger publizierten neunten deutschen Bibel übereinstimmt. 
Ob Dürer bei der Wahl seines Themas auf die oben beschriebene Zeitstimmung reagierte, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, denn die Offenbarung des Johannes war das gesamte Mittelalter hindurch wegen seiner heilsgeschichtlichen Perspektive eines der beliebtesten Bücher der Bibel und wurde entsprechend oft getrennt in Handschriften und Drucken publiziert. Gerade den Text der Apokalypse mit großformatigen Holzschnitten zu versehen, könnte auch vor allem eine kluge unternehmerische Entscheidung gewesen sein, da Dürer von guten Erfolgsaussichten und – bei übersichtlichem Umfang des Buchprojekts – einem begrenzten finanziellen Risiko ausgehen konnte.
Titelblatt der deutschen und der lateinischen Ausgabe
(oben: „Die heimlich offenbarung iohannis“; unten: „Apocalipsis cum figuris)
Dürers Stolz auf die von ihm entworfenen und auf den Holzstock übertragenen Bilder zur Johannes-Offenbarung – der Künstler nennt sie „Figuren“ – dokumentiert sich im Monogramm des Künstlers, das jedes einzelne Blatt ziert. Jeder der Holzschnitte im Format von ca. 39 x 28 cm nimmt eine ganze Seite ein, die dem auf der linken Seite zweispaltig gedruckten Text gegenübersteht. In der Geschichte der Apokalypse-Illustration war eine solche gleichberechtigte Stellung des Bildes ein Novum, denn in den bisherigen gedruckten Bibeln wurden die kleinen und zudem querformatigen Holzschnitte in den Text eingefügt. Mehr noch: Bei Dürer dominieren ohne Frage die Bilder. Sie überragen den doppelkolumnigen Satzspiegel sowohl an Höhe als auch an Breite. Außerdem besetzen sie die optisch gewichtigeren Vorderseiten der Blätter. Schlägt man die Apocalipsis cum figuris auf, steht der Text jedesmal auf der linken, das große Bild auf der rechten Seite. „Statt wie üblich von den Bildern zum Text, wird der Benutzer vom Text zu den Bildern geführt. Zwangsläufug erlebt er diese als die Hauptsache des Ganzen“ (Perrig 1987, S. 1). Apocalipsis cum figuris ist daher ein eigentlich irreführender Titel, denn wir haben es nicht mit einer bebilderten Textausgabe, sondern mit einem „vom Text begleiteten Kommentar in Bildform“ (Perrig 1987, S. 1) zu tun.
Die Entscheidung für ganzseitige Grafiken hatte auf die Darstellungen Dürers eine nicht unerhebliche Auswirkung: Während die querformatigen Bibelillustrationen das Geschehen in der Regel von links nach rechts entfalten, also in Leserichtung, legte das Hochformat eine Zweiteilung in einen oberen, himmlischen Bereich und eine untere, irdische Zone nahe. In Dürers zweiter Figur, der Johannes vor Gottvater und den Ältesten wird dieses Prinzip zum ersten Mal sichtbar.
Als Ganzes gesehen, gliedert sich Dürers Apocalipsis cum figuris in zwei Teile. In der ersten Hälfte wird das Strafgericht Gottes über die Menschheit, im zweiten Bilderkreis der Kampf der himmlischen Heerscharen gegen Satan und seine Verbündeten dargestellt. Das entspricht so allerdings nicht dem Bibeltext. In Dürers Bilderfolge markiert die VIII. Figur mit dem Starken Engel die Mitte der Handlung. In der Offenbarung erscheint er im 10. von 22 Kapiteln, wobei die eigentlich apokalyptischen Visionen erst mit dem 4. Kapitel einsetzen. In den zwölf Kapiteln, die auf die Übergabe des Büchleins an Johannes auf Patmos folgen (Offb. 10,1-11), wird zudem noch mehrfach über Strafaktionen gegen die Menschheit berichtet. Dürer gewichtet den Bibeltext also unter dramaturgischen Gesichtspunkten neu und verdichtet ihn. Zumeist werden dabei mehrere Textstellen zu einem Gesamtbild zusammengefasst. Diesen stehen wiederum Kompositionen gegenüber, die auf wenigen Textzeilen basieren und sich auf eine Kernaussage konzentrieren wie etwa Die vier Reiter oder Michaels Kampf mit dem Drachen. Dürer geht es ganz offensichtlich nicht um eine Zusammenschau von Wort und Bild – er hat diese im Gegenteil sogar fast unmöglich gemacht, indem er den Text so fortlaufen ließ, als habe er keinen Bezug zu den Holzschnitten. Wer die bildrelevanten Textstellen sucht, findet sie nur zweimal auf der entsprechenden Seite.
Unautorisierte Nachdrucke von Dürers Holzschnittfolge bezeugen schon bald nach dem Erscheinen den Erfolg des Buchprojekts. Ihre weiteste Verbreitung erhielt die Apocalipsis cum figuris jedoch in ihrer Überarbeitung durch Lucas Cranach (1475–1553) und seine Werkstatt, die auf die Bilderfindungen des Nürnberger Meisters in seinen Illustrationen zu Luthers Bibelübersetzung, dem „Septembertestament“ von 1522, zurückgriffen. Hier allerdings tritt das Bild wieder zurück in den Dienst der Textillustration, aus dem es Dürer gerade befreit hatte.
Albrecht Dürer: Die Marter des Evangelisten Johannes (um 1496/97); Holzschnitt
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Auf der Rückseite des Titelblattes hat Dürer das Martyrium des Johannes dargestellt. Dieser Holzschnitt bezieht sich nicht auf den Text der Offenbarung. Die Legenda aurea berichtet, dass der Evangelist während der Christenverfolgung durch den römischen Kaiser Domitian gefangengenommen und nach Rom gebracht wurde, weil er den geforderten Götzendienst verweigert hatte. Dort setzte man ihn vor der Porta Latina in einen Kessel mit siedendem Öl – dank Gottes Bewahrung blieb Johannes jedoch unversehrt und wurde auf die Insel Patmos verbannt, wo er die Offenbarung niederschrieb. Im Grunde nimmt Dürer mit dem hier gezeigten Wunder die wichtigste Aussage der gesamten biblischen Apokalypse vorweg: Gott wird diejenigen beschützen und retten, die ihm durch alles irdische Unheil treu und in festem Glauben folgen.
Im Text der Offenbarung wird von der Marter des Johannes nichts berichtet. Deshalb hat Dürer den Holzschnitt nicht in seine Nummerierung der „Figuren“ einbezogen. Auch die dem Bild – im aufgeschlagenen Zustand des Buchs – gegenüberstehenden, auf die Rückseite des Titelblattes gedruckten Vorreden des Hieronymus zur Apokalypse erwähnen das Martyrium nicht.
Dürer hat diese Legende ganz wörtlich ins Bild gesetzt und zugleich einen deutlichen Zeitbezug hergestellt: Ein orientalischer Sultan, der den hermelinbesetzten Mantel eines abendländischen Fürsten trägt und in der traditionellen Pose des Richters mit übereinandergeschlagenene Beinen dargestellt ist, gibt den Befehl, Johannes mit siedendem Öl zu übergießen. Die Herrschergestalt verweist direkt auf die türkische Gefahr, die der Christenheit in der damaligen Zeit drohte. Auch die Stadt im Hintergrund mit ihrer Mischung aus gotischen und venezianischen Renaissanceelementen entspricht der Zeit um 1500. Das gilt ebenso für die bunt gemischte Gruppe von Zuschauern, die, hinter der den Gerichtsbezirk abgrenzenden Schranke stehend, die Folter mit Betroffenheit und Trauer verfolgt.
Martin Schongauer: Dominikaneraltar (um 1480); Colmar, Musée d’Unterlinden
Sowohl der „alla turca“ gekleidete Kaiser Domitian als auch der ölgießende Scherge gehen auf ein Werk von Martin Schongauer (1440/45–1491) zurück: den um 1475 entstandenen Colmarer Dominikaneraltar. Der Nürnberger Meister hatte ihn auf seinen Wanderjahren eingehend studiert. Für den Sultan und seinen Thronbaldachin verwendete Dürer Schongauers Tafel Christus vor Kaiphas (unten links); bereits hier findet sich am Sockel des Thronsitzes ein Hündchen. Die Beinstellung des Ölgießers sowie die Haltung von Oberkörper und Kopf ist einer Figur der Geißelung Christi entlehnt (unten rechts). Zu dem Mann ganz rechts an der Brüstung, der den Kopf auf den gespreizten Finger der rechten Hand aufstützt, wurde Dürer durch einen Kupferstich Schongauers angeregt, und zwar den Wappenschild mit Flug, von einem Bauern gehalten.
Martin Schongauer: Wappenschild mit Flug, von einem Bauern gehalten
(nach 1480); Kupferstich
Albrecht Dürer: Johannes erblickt die sieben Leuchter (um 1496/98); Holzschnitt
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Auf dem ersten Blatt (I. Figur: Johannes erblickt die sieben Leuchter) kniet Johannes mit gefalteten Händen und demütig gesenktem Haupt vor dem auf einem doppelten Regenbogen thronenden Menschensohn (Offb. 1,9-20). Dessen Augenbrauen gehen in Stichflammen über; von seinem Mund geht als Zeichen des Gerichts ein zweischneidiges Schwert aus; ein langer Bart reicht bis auf die Brust. Hinter seinem Kopf leuchten drei Strahlenbündel auf. Die linke Hand hält ein aufgeschlagenes Buch: die Botschaft Christi, die Johannes an die sieben Gemeinden Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea weitergeben soll. Die Finger der Hand am ausgestreckten rechten Arm sind gespreizt, sieben Sterne funkeln symbolisch für die sieben Engel der sieben Gemeinden, die wiederum durch die Leuchter repräsentiert werden. Es ist das einzige Blatt, das ausschließlich der himmlischen Sphäre gewidmet ist.
Martin Schongauer: Der Tod Mariens (um 1470); Kupferstich
Die dem Betrachter zugewandten nackten Fußsohlen des Johannes lassen als Vorbild einen Kupferstich Martin Schongauers erkennen: den Tod Mariens. Dort ist auch die Form der kunstvollen Leuchter vorgebildet. Für den Kopf des Johannes sowie die Bethaltung griff Dürer auf ein eigenes Werk zurück, und zwar auf seinen Kupferstich mit dem Verlorenen Sohn von 1496/97 (siehe meinen Post Der Künstler am Schweinetrog“).
Albrecht Dürer: Der verlorene Sohn bei den Schweinen (1496/97); Kupferstich
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9 Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus. 10 Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, 11 die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea. 12 Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter 13 und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. 14 Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme 1 5und seine Füße wie Golderz, das im Ofen glüht, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen; 16 und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht. 17 Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte 18 und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. 19 Schreibe, was du gesehen hast und was ist und was geschehen soll danach. 20 Das Geheimnis der sieben Sterne, die du gesehen hast in meiner rechten Hand, und der sieben goldenen Leuchter ist dies: Die sieben Sterne sind Engel der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter sind sieben Gemeinden. (Offenbarung 1,9-20; LUT)
Albrecht Dürer: Johannes vor Gottvater und den Ältesten (um 1496); Holzschnitt
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In der II. Figur kombiniert Dürer das 4. und 5. Kapitel der Offenbarung: die Anbetung Gottes durch die 24 Ältesten (Offb. 4,1-11) und die Übergabe des Buches mit den sieben Siegeln an das Lamm mit den sieben Hörnern und sieben Augen (Offb. 5,1-14). Zwei Flügel eines steinernen Portalbogens stehen weit offen und geben den Blick auf den thronenden Gottvater frei. Er ist von einem doppelten mandelförmigen Strahlenkranz umsäumt; über seinem Haupt sind die sieben Fackeln als Symbole seiner sieben Geister zu sehen. Stellvertretend für die gesamte Christenheit umstehen 24 Älteste den Richterstuhl. Sie spielen Harfe oder bieten ihre Kronen dar. Nicht eine der Kronen ist mit einer zweiten identisch, sie sind ebenso wie die sieben Leuchter in der I. Figur durchgearbeitete Werke der Goldschmiedekunst.
Die vier Wesen umschweben die Thronglorie – Dürer gleicht sie, einer späteren Auslegung folgend, den vier Evangelistensymbolen an: Löwe, Stier, Mensch und Adler. Das siebenköpfige Lamm hat sich auf die Hinterläufe gestellt, um das im Schoß von Gottvater liegende Buch mit den sieben Siegeln zu öffnen. Es beschreibt in sieben Abschnitten das göttliche Strafgericht. Noch ist das Buch geschlossen, die einzelnen Siegel hängen heraus.
Von den Ältesten, die sich um den Thron Gottes versammelt haben, richtet einer das Wort an Johannes, der auf einem gekräuselten Wolkenband kniet. Er kündigt dem Seher den Sieg Christi an (Offb. 5,5); sein im vorhergehenden Vers erwähntes Weinen wird durch das Hochhalten des Mantelzipfels veranschaulicht.
Den unteren irdischen Bereich hat Dürer in Vogelperspektive dargestellt – wir sehen eine menschenleere, noch friedliche, gleichsam ahnungslose Landschaft. An einem ruhgen See mit spiegelglatter Oberfläche liegt eine kleine Wasserburg mit Fachwerkhaus und Zwinger. Wie schon in der I. Figur ist die Mittelachse des Holzschnitts betont, die von dem knienden Seher und dem über ihm schwebenden Thron sowie unten durch das Burgtor und den Wehrturm akzentuiert wird.
Dürers Holzschnitt weist Anklänge an Hans Memlings Marien-Johannes-Altar in Brügge auf, und zwar an den rechten Flügel. Dort liegt wie auf Dürers Blatt das Buch im Schoß Gottes; zu seiner Rechten befindet sich das Lamm, das sich auf die Hinterläufe gestellt hat, um die Siegel lösen zu können. Auf der Tafel Memlings wendet sich ebenfalls eine Figur (hier ein Engel) aus dem „inneren Kreis“ an den auf einer Wolkengloriole, jedoch vor einem Altar knienden Seher. Dürer hat den gekrönten Ältesten in Memlings Gemälde, der keine Notiz von Johannes nimmt, umgedreht und in einen Dialog treten lassen.

Hans Memling: Marien-Johannes-Altar, rechter Flügel (1475-1479); Brügge, Memling-Museum
1 Danach sah ich, und siehe, eine Tür war aufgetan im Himmel, und die erste Stimme, die ich mit mir hatte reden hören wie eine Posaune, die sprach: Steig herauf, ich will dir zeigen, was nach diesem geschehen soll. 2 Alsbald wurde ich vom Geist ergriffen. Und siehe, ein Thron stand im Himmel und auf dem Thron saß einer. 3 Und der da saß, war anzusehen wie der Stein Jaspis und Sarder; und ein Regenbogen war um den Thron, anzusehen wie ein Smaragd. 4 Und um den Thron waren vierundzwanzig Throne und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, mit weißen Kleidern angetan, und hatten auf ihren Häuptern goldene Kronen. 5 Und von dem Thron gingen aus Blitze, Stimmen und Donner; und sieben Fackeln mit Feuer brannten vor dem Thron, das sind die sieben Geister Gottes. 6 Und vor dem Thron war es wie ein gläsernes Meer, gleich dem Kristall, und in der Mitte am Thron und um den Thron vier himmlische Gestalten, voller Augen vorn und hinten. 7 Und die erste Gestalt war gleich einem Löwen, und die zweite Gestalt war gleich einem Stier, und die dritte Gestalt hatte ein Antlitz wie ein Mensch, und die vierte Gestalt war gleich einem fliegenden Adler. 8 Und eine jede der vier Gestalten hatte sechs Flügel, und sie waren außen und innen voller Augen, und sie hatten keine Ruhe Tag und Nacht und sprachen: Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt. 9 Und wenn die Gestalten Preis und Ehre und Dank gaben dem, der auf dem Thron saß, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, 10 fielen die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem, der auf dem Thron saß, und beteten den an, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, und legten ihre Kronen nieder vor dem Thron und sprachen: 11 Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen waren sie und wurden sie geschaffen. (Offenbarung 4,1-11; LUT)


1 Und ich sah in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, beschrieben innen und außen, versiegelt mit sieben Siegeln. 2 Und ich sah einen starken Engel, der rief mit großer Stimme: Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen? 3 Und niemand, weder im Himmel noch auf Erden noch unter der Erde, konnte das Buch auftun und hineinsehen. 4 Und ich weinte sehr, weil niemand für würdig befunden wurde, das Buch aufzutun und hineinzusehen. 5 Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, aufzutun das Buch und seine sieben Siegel. 6 Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Gestalten und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande.  7 Und es kam und nahm das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß. 8 Und als es das Buch nahm, da fielen die vier Gestalten und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und ein jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen, 9 und sie sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen 10 und hast sie unserm Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden. 11 Und ich sah, und ich hörte eine Stimme vieler Engel um den Thron und um die Gestalten und um die Ältesten her, und ihre Zahl war vieltausendmal tausend; 12 die sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob. 13 Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! 14 Und die vier Gestalten sprachen: Amen!  Und die Ältesten fielen nieder und beteten an. (Offenbarung 5,1-14; LUT)

Die Literaturhinweise sind in Teil 7 aufgeführt.
 
(zuletzt bearbeitet am 30. August 2017)

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